Samstag, 14. Juli 2012

Spieleschmiede wird angeheizt

Ist im englischsprachigen Raum seit längerem Kickstarter für das Durchstarten von unter anderem Brettspielen populär, so versucht sich die Spiele-Offensive jetzt mit ihrer Spieleschmiede an einem deutschen Ablager. Das erste so angeprangerte Projekt ist "Express 01", ein Eisenbahn-Kartenspiel von eggert. Wie beim Vorbild könnt Ihr hier Eure Unterstützung für das Spiel ankündigen und bekommt dafür im Gegenzug als so genannter Schmied je nach Investitionswillen Bonusinhalte wie eine Unterschrift, zusätzliche Karten oder werdet gar auf der Schachtel verewigt. Nur wenn das benötigte Geld zusammenkommt, wird schließlich gezahlt und produziert. Mehr zu dem Prozedere und auch dem Spiel selbst findet Ihr hier.

Kommentare:

  1. Es scheint Mode zu werden, dass Verlage einen Teil ihres kaufmännischen Risikos auf den Endverbraucher abwälzen. Denn nichts anderes ist das, was da passiert. Wenn ich als Verlag von einem Spiel überzeugt bin, dann nehme ich Geld in die Hand, produziere es und fertig. Wenn ich meine, es gäbe nicht genügend Abnehmer, dann lasse ich die Finger davon. Es scheint also so zu sein, dass eggert nicht wirklich vom Erfolg dieses Titels überzeugt ist.

    Aber das muss nicht sein, denn es gibt noch eine 2. Möglichkeit: Gewinnmaximierung. Das widerum kann ich als Kaufmann gut verstehen... :-) Die meisten Schmiede kaufen dieses Spiel für 32,- Euro. Davon kann man eigentlich nur träumen :-) Da ich den Prototypen schon mal in der Hand hatte, kann ich mit ziemlicher Sicherheit behaupten, dass es zu so einem Ladenpreis nahezu unverkäuflich ist. Ohne das Spiel wirklich zu kennen, würde ich es vom Materialumfang, Entwicklungszeit und Spieltiefe vielleicht mit Ruhm für Rom vergleichen. Das kostet 17,- € und ich glaube kaum, dass es für 30,- € auch nur ansatzweise vergleichbare Stückzahlen erreicht hätte. eggert hat also mit einem geschickten Schachzug schon vor dem Verkauf viel mehr Geld verdient, als es über den üblichen Weg möglich gewesen wäre. Das Angebot von Exklusivität lockt erstaunlicherweise doch viele hinter dem Ofen hervor. Gleichzeitig bekommt man hier im Laden höchstens mal ein verhaltenes "Danke", wenn es zum Dominion völlig kostenlos einen exklusiven Gouverneur kostenlos dazu gibt... verrückte Welt... :-)

    Der Gewinn, den eggert schon vor Verkauf des ersten Exemplars erzielt, ist zusätzlich natürlich noch viel größer als üblich, da ja weder der Groß- noch der Einzelhandel hier mitverdient. Nur die Spieleschmiede bekomt etwas ab, aber das wird sicherlich verhältnismäßig wenig sein. Von dem eigenommenen Betrag wird nun zwar auch eine weitaus höhere Auflage produziert, um zusätzlich das Spiel auch noch in den Läden zu vertreiben. Aber ehrlich: wer dieses Spiel haben möchte, will auch das komplette Spiel haben, und nicht ohne die "exklusiven" Goodies. Und das ist der Wermutstropfen für den Einzelhändler: das fachkundige Publikum wird es wohl eher nicht im Laden erstehen, weil es dort nicht die vollständige Version gibt.

    Wohlgemerkt sehe ich definitiv einen Unterschied zwischen dem privaten Crowdfunding eines Autors und einer ähnlichen Geldbeschaffung seitens eines Verlages. In letzterem Falle bin ich als Händler eher skeptisch gegenüber der Vorgehensweise von Queen und eggert, alles andere gibt einem Autoren zumindest eine Chance, ein hoffentlich gutes Spiel auf den Markt zu bringen. Da die Spieleschmiede aber ausdrücklich nur mit Verlagen zusammenarbeiten möchte, wird es das dort zumindest vorerst aber nicht geben.

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    1. Ein sehr guter Beitrag, der mich gleich nach der Verleihdebatte schon wieder zum Nachdenken anregt...

      Ich finde auch, dass es ein großer Unterschied ist, ob Verlage diese Konzepte wie von Dir angedeutet "ausnutzen", falls sie das denn tun, oder stattdessen ein mittelloser und unbekannter Autor bzw. ein risikoreiches aber innovatives Produkt generell eine Chance bekommt, indem der Rahmen abgesichert und Interesse der Öffentlichkeit erfragt wird.

      Die teilweise sehr abwegige Preisgestaltung fand ich auch schon hier und da merkwürdig - bei diesem Kartenspiel habe ich auch direkt gestutzt.
      Vor allem werden die Produkte ja auch von den Autoren etc. vorgestellt - hier im Video mit eggert und auch Björn der Spiele-Offensive selbst. Was mich beschäftigt ist die Frage: Machen die das alle besten Gewissens, oder stecken da doch eher ausschließlich verkäuferische Interessen dahinter? Möchte die SO wirklich einem phänomenal guten Spiel dabei helfen, überhaupt produziert zu werden? Findet Björn das Spiel wirklich selber richtig gut? Werben ist ja allgemein nicht dafür bekannt objektiv zu sein. Aber werbe ich auf so einer Plattform um die Unterstützung von Privatpersonen, mit Aussagen wie "Hilf mir dabei, dieses Projekt überhaupt umsetzen zu können! Gemeinsam schaffen wir das!", dann fühlt es sich für mich nicht richtig an, damit große Geschäfte zu machen und bewusst teurere Preise etc. zu kalkulieren. Diese Konzepte sollten wirklich ausschließlich für ehrliche Absichten reserviert sein - alles andere finde ich, jedenfalls so wie es derzeit beworben wird, moralisch sehr bedenklich, Richtung Kundentäuschung und so weiter. Nochmal am Beispiel: Kann und sollte es wirklich etwa 20€ mehr kosten, einen Namen mit in die Anleitung zu setzen und das Spiel zu unterschreiben?

      Was diese Massenfinanzierung übrigens auch noch mit sich bringt, nur mal so als gedanklicher Abstoß, ist, dass Rezensionen im Vorfeld umgangen werden. Klar kann man im normalen Laden auch "blind" kaufen - man hätte aber im Normalfall immerhin die Möglichkeit gehabt, sich mit dem Produkt auseinanderzusetzen. Hier muss der Verantwortliche erst hinterher mit seinem Namen geradestehen, nachdem bezahlt wurde. Im englischen Raum ist es immerhin Gang und Gebe, dass es bereits während der Finanzierungsphase nicht nur Videos mit den Herstellern, sondern auch Ersteindrücke von Rezensenten (meist Tom Vasel) gibt - wobei die natürlich auch für die Arbeit bezahlt werden und dadurch ggf. nicht absolut objektiv sein können. Aber natürlich kann es sich die SO oder auch eggert nicht erlauben, so ein Ding zu versauen - das macht man nur ein Mal!

      Ebenfalls stimme ich zu, dass ich auf jeden Fall wenn schon dann auch das "komplette" Spiel haben möchte - brauche ich vielleicht nicht den Autor daheim oder mein Gesicht auf der Schachtel, so doch immerhin alles relevante Spielmaterial! Schöneres Material oder andere ähnliche Extras finde ich eine super Sache für die Leute die bereit sind dahingehend zu unterstützen, aber meiner Meinung nach sollte das Spiel wirklich nicht "zerstückelt" und so künstlich der Preis angehoben und Vertriebswege eingeschränkt werden!

      Andere Projekte bei Kickstarter hingegen wirkten auf mich sehr glaubwürdig: nachvollziehbare Ziele und Preise und eben keine künstlich erzeugte Exklusivität.

      Fakt ist: Jeder kann frei entscheiden was er tut, und die Konzepte scheinen sehr gut zu funktionieren. Auch "Express 01" ist bereits nach wenigen Tagen mehr als finanziert und dabei hat der Großteil der Leute etwa 30€ für ein kleineres Kartenspiel bezahlt.

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  2. Das was Malte geschrieben hat, kann ich so nur zu hundert Prozent unterschreiben. Ich finde, einen Verlag sollte man hier nicht unterstützen, sondern vielmehr Projekte von Einzelnen, die sonst ihr Spiel gar nicht auf den Markt bringen könnten. Ich finde es auch sehr zweifelhaft, dass ab 18.000€ Fördermenge die Karten in einem dickeren Material hergestellt werden - wenn ich ca. 30€ für ein Kartenspiel hinlege, erwarte ich sowieso gute Kartenqualität (der Hauptgrund, warum ich 7 Wonders noch nicht zu den bisherigen Preisen gekauft habe). Daher hoffe ich für alle Förderer, dass die Grundqualität schon dementsprechend gut ist, sonst könnte es am Ende viele Enttäuschte Leute geben.

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  3. Mich hat vor allem auch der schon so weit fortgeschrittenen Stand des Spieles überrascht, im Prinzip ist es ja eigentlich fertig. Also wurde hier auch bereits eine Menge Geld und Zeit hineininvestiert, folglich muss Eggert ja an den Erfolg des Spieles geglaubt haben. Wieso wird es also nicht im regulären Vertragsbetrieb veröffentlicht.

    Ich denke das ganze Projekt ist vielmehr als ein Testballon für alternative Finanzierungsquellen zu betrachten, und von diesem Standpunkt aus gesehen hat Eggert ja wohl alles richtig gemacht, sicher auch zu Lasten der Einzelhandels. Ebenfalls wird auch die Spieleschmiede erstmal auf eine sichere Bank setzen.

    Hoffentlich wird das aber eher als Anstoß für viele weitere, interessante Projekte dienen. Für die Zukunft würde ich mir jedoch erhoffen wirklich ein Spiel zu begleiten und nicht bloß Geld vorzuschießen.

    Das mit den Boni geht für mich übrigens ok, die Bildspielereien wären nix für mich und diese Minierweiterungen könnten auch im Grunde der spielbox beiliegen oder in Essen verschenkt werden, soweit so gewöhnlich...

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  4. Ein verwandtes Thema.
    Ich weiß nicht ob jemand hier den Weg von Alien Frontiers: Aurora verfolgt hat, aber ich fand es faszinierend. Seit dem ich ca. Mitte 2011 die ersten Infos zu diesem Spiel gesehen habe fand ich es Interessant und auch sehr schön gestaltet. Mir war schnell klar, eins gehört in meine Spielsammlung. Problem ich kann mit englischsprachigen Spielen nichts anfangen, ich spreche es nicht und in unseren Spielerunde kommen solche Spiele auch nicht an. Also warte ich gespannt auf die deutschsprachige Version.
    Bei der Erfolgsgeschichte, kann das ja nicht dauern und siehe da Ystari kauft die Licens für eine Deutsche/Internationale Version, schön schön. Langes warten nichts geschieht und dann stellt Ystari den neuen Namen und das neue Cover vor. HALLO! Die haben da ein fertiges, sehr beliebtes und gut aussehendes Spiel und statt ein paar neue Karten mit deutschsprachigen Text zu drucken geben sie erst einmal Zeit und Geld für ein neuen Namen und ein anderes Cover aus (Klar Markt Analysen haben gezeigt bla bal bal!). Wie schwer kann es sein ein fertiges und gutes Produkt als anderssprachige Version herauszubringen?? Zu schwer, denn nach dem in Nürnberg 2012 nicht das angekündigte Alien Frontiers erschien, gab es die Info, dass Ystari die Licens zurückgegeben hat.
    OK, dann dauert es halt noch etwas länger, aber da wird sich schon noch einer finden. Dann „gute“ Nachrichten die Licens wurde neu vergeben.

    So und nach der kurzen Vorgeschichte nun zum Thema . Ich war entsetzt!
    Das Spiel wird nun von LocWorks herausgegeben und über ein „Kickstarterseite“ (Ulule.de) finanziert. Wo wir nun genau bei den Punkten sind:
    1. Ein Verlag nutzt das System.
    2. Es wird lediglich zur Vorfinanzierung genutzt.
    3. Es geht um Gewinnoptimierung.

    Meiner Meinung nach ein trauriger Missbrauch eines ansonsten sehr guten System für NeuAutoren, Kleinst- oder Eigen- verläger und natürlich uns Spielefreunden. Leider ist die Tendenz steigend was den Projekten für die es wirklich eine Möglichkeit oder die Möglichkeit ist, immer mehr Mithelfer und somit immer mehr Geld entzieht.
    Somit ist für mich die Moral der Geschicht: Hät ich vor einem Jahr mein Englisch aufpoliert und die Paar Karten selber mit deutschsprachigen Text versehen, hätte ich wohl schon seit einigen Monaten Spaß an dem Spiel und müsste mich nicht so viel Ärgern. Na und auf den Warnhinweis auf deutsch (Achtung Ihre Kinder sollten vielleicht nicht alles in den Mund nehmen!) hätte ich wohl auch verzichten können.

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  5. Inzwischen gibt es das zweite Projekt. Ich denke auch dass die SO mit dem ersten auf Nummer sicher gehen wollte. Das derzeitige Spiel "Bankraub" wird auch nicht mit einem klassischen Spieleverlag aufgelegt. Der Autor selbst hat einen kleinen 2 Mann Verlag, produziert normalerweise aber keine Spiele für den Markt sondern Auftragsarbeiten und könnte das Spiel nicht in Eigenregie herausbringen. Es ist im Gegensatz zum ersten Spiel auch noch in der finalen Entstehung. Das Spiel selbst ist natürlich fertig , es gibt spielbare Prototypen, die endgültige Grafik ist aber erst im entstehen, und laut der Aussage des Grafikers, wartet er auch erstmal auf die erste Finanzierungsstufe, bevor er viele weitere Arbeitsstunden investiert. Klar, der will ja auch bezahlt werden. Die Stufen fangen bei 30€ an. Das Spiel ist mit Spielplan und Karten. Klar sind auch wieder höhere Belohnungsstufen dabei mit eher ideeller Belohnung, aber das ist ja genau das Crowdfundingrezept.
    Das Thema mit dem Handel sehe ich auch etwas anders: Spieltrieb hat schonmal zweimal klassischen Wege versucht, eine "freie Arbeit" also Spiel für Spieler herauszubringen. Die Spiele sind auch richtig gut (siehe BGG sowie Test in Leipzig, Hobby Spiel Messe) Eynsteyn & Jets, by the way. Ich habe die bisher ausser bei der Spieleoffensive noch nirgens im Handel gesehen. Der Vorteil an Crowdfundingprojekten ist ja auch, dass die Spiele durch das Crowdfunding bekannt werden, und somit die Leute auch im Handel nachfragen. Von daher sehe ich das Crowfundingkonzept im Zusammenhang mit den Kleinstverlagen auch für den Handel als Win-Win Situation. Wenn natürlich Verlage, die eh schon bei den Händlern vertreten sind aufspringen, dann passt es auch für mich nicht mehr ...
    Das aktuelle Projekt ist für mich prädestiniert für Crowdfunding - wer schauen mag: https://www.spiele-offensive.de/Spieleschmiede/Bankraub

    PS: ich hab hier zu diesem Blogeintrag geschrieben, einen anderen hab ich nicht gefunden, oder hab ich was übersehen?

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  6. Ups, ich habe gar nicht bemerkt, dass ich hier meinen Footer vergessen habe, sorry, das war keine Absicht. Der obige Kommentar ist meine ureigene persönliche Meinung, aber ich sollte Euch natürlich nicht vorenthalten, dass ich für den Autor als Erklärbär unterwegs und mit ihm befreundet bin (daher auch die detaillierten Infos).
    Ich bin selbst natürlich großer Fan des Projektes.

    Falls ihr Interesse habt: jetzt am Wochenende (Samstag, 24.11.) bin ich auf der Spiele-Messe in Stuttgart. Wer gerne mal den Prototypen spielen mag, ist herzlich eingeladen.

    Hier beim "Einsatz" in Darmstadt mit dem aktuellen Prototypen:
    http://spiegelwelten.com/Darmstadt%20spielt/

    Liebe Grüsse,
    Dani (Erklärbär des Autors)

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